Guttenberg

27. Februar, 2011

In der akademischen Welt ist die Empörung über den Umgang der Politiker mit zu Guttenbergs abgeschriebener Dissertation groß. Ich kann das irgendwie nicht so ganz nachvollziehen. An der Uni werden solche Dinge doch ganz ähnlich gehandhabt.

Dubiose Vorgänge werden von den Professoren in den betroffenen Instituten und Fakultäten wohl toleriert um Konflikte mit Kollegen zu vermeiden. Was hätte man auch davon ein Verfahren gegen einen Kollegen der eigenen Fakultät einzuleiten? Damit würde man sich letztendlich nur selber schaden.

Die Gehälter für einige (nicht-wissenschaftliche) Stellen an den Unis sind zum Beispiel so gering, dass den Kandidaten die Möglichkeit zur Promotion geboten wird um überhaupt jemanden zu finden der den Job macht. Die Position, in die man sich damit als Professor bringt, ist dann vielleicht nicht unbedingt förderlich für die Qualität der resultierenden Doktorarbeiten. Die Mediziner an der LMU haben zum Beispiel jemanden zum Doktor gemacht, der da als EDV-Beauftragter gearbeitet hat und im Prinzip die Anleitung einer Software eingereicht hat. Das ist nur zufällig rausgekommen als der Autor der Software auf die Doktorarbeit gestoßen ist. Über diesen Vorgang hat sich niemand öffentlich aufgeregt.

Der Fall Guttenberg zeigt wie sowas an den Universitäten abläuft. Guttenberg gibt den Doktor zurück und damit werden die Ermittlungen eingestellt. Wie konnte eine Arbeit, die anscheinend hauptsächlich aus Zeitungsartikeln und ähnlichem besteht, von den Mitgliedern der Prüfungskommission mit summa cum laude bewertet werden? Sollte die Universität nicht die anderen Doktoranden des betreuenden Professors überprüfen? Wie steht es denn um die Arbeit des Professors selbst? Das Interesse der Uni Bayreuth an einer solchen Überprüfung ist wahrscheinlich eher gering.

Ein schönes Beispiel ist auch der Umgang der Unis mit diesen sogenannten Promotionsberatungen. Da muss die Staatsanwaltschaft gegen rund 100 Professoren ermitteln weil das an den Unis toleriert wird. Etwas übertrieben hat es ein Juraprofessor aus Hannover. Der musste wegen Bestechlichkeit in ca. 60 Fällen ins Gefängnis. Das Schöne an der Geschichte ist aber, dass diejenigen die nach der Bestechung promoviert wurden ihren Doktor behalten dürfen. Auf ihren wissenschaftlichen Inhalt wurden die Arbeiten soweit ich weiß nicht überprüft.

Ich bin auch interessiert zu erfahren wie die wissenschaftliche Qualität der Doktorarbeiten in Fächern wie Humanmedizin sichergestellt wird. Es ist schon bemerkenswert, dass mehr als zwei Drittel der Medizinstudenten zum selbständigen wissenschaftlichen Arbeiten befähigt sind und eine Doktorarbeit schreiben. Aber dass alle diese wissenschaftlichen Arbeiten von den betreuenden Professoren gelesen und geprüft werden ist eine logistische und geistige Meisterleistung. Ich habe mal im Statistischen Jahrbuch 2010 nachgelesen. In Medizin gab es 2008 2.3 Promotion pro Professor. Zum Vergleich: in Informatik sind es 0.3 Promotionen pro Professor. Götter in weiß eben.

Nach zu Guttenberg herrscht plötzlich große Aufregung, dass durch das Verhalten der Politik, das Ansehen des Doktors außerhalb der Wissenschaft beschädigt wird. Was kann Angela Merkel dafür wie die Universität Bayreuth ihre Doktorgrade verteilt? Von Selbstkritik fehlt an den Unis jede Spur. Guttenberg soll jetzt als eine Art Uni-Jesus, die Sünden der akademischen Welt auf sich nehmen. Das ist wirklich ein bisschen zu billig.

Ist eigentlich in Deutschland schon jemals ein Professor zurückgetreten?

Update: Aus einem Artikel von einem Politologen (?) bei Spiegel Online.

Man kann sich gute Gründe vorstellen, dass Guttenberg in der Tat weder einen Ghostwriter benutzt hat, noch arglistig zu täuschen versucht hat. Viele meiner Fachkollegen arbeiten ähnlich wie er.

Das ist schonmal sehr beruhigend aber es wird noch besser.

Zunächst stellt man ein grobes Gerüst eines Manuskripts zusammen, und das elektronische Zeitalter macht es nur allzu leicht, erst einmal alles Relevante in der Literatur per Copy & Paste in einem Dokument zu vereinigen. In weiteren Integrationsschleifen kann man dann entscheiden, was wörtlich, was sinngemäß oder was gar nicht benutzt wird …

Integrationsschleifen also. Wenn das nicht „rocket science“ ist, dann weiß ich auch nicht. So ist wahrscheinlich auch die Relativitätstheorie entstanden.

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Inside Microsoft Research

25. Februar, 2011

Ich arbeite jetzt seit mehr als zwei Wochen bei Microsoft Research Cambridge. Die Atmosphäre ist schon etwas anders als an der Uni. Es gibt keine Studenten die in den Gängen herumirren, man braucht eine Zugangskarte um ins Gebäude zu kommen, und die Verwaltung ist hilfsbereit und effizient.

Karte

Leider darf ich bei MSR nicht mit meinem Mac arbeiten. Dafür ist die Stimmung gut und es gibt sehr interessante Projekte. Außerdem sind die Forscher frei von kommerziellen Zwängen und können die Projekte an denen sie arbeiten selbst bestimmen.


Zurück in San Diego

10. Februar, 2011

Zum ersten Mal seit 2007 war ich wieder in San Diego. Komischerweise hat es sich angefühlt als ob ich nie weg gewesen wäre, weil mir alles noch so gut in Erinnerung war. Es muss damals also ein ziemlich prägendes Erlebnis gewesen sein.

Ich hab zuerst bei Alex’s Schwester und ihrem Mann gewohnt und danach bei Nick und seiner Freundin. (Danke nochmal!) Die Zeit in San Diego hab ich hauptsächlich an meinen Lieblingsplätzen von früher verbracht. Ich war in La Jolla, in Torry Pines, in Down Town, und an der UCSD hab ich mich mit Sam Buss getroffen.

Am Ende musste ich noch zwei Tage länger bleiben weil mein Flug gecanceled wurde und British Airways darauf bestanden hat mich nur über Chicago nach London zu fliegen; obwohl man auf der Homepage auch noch andere Flüge buchen konnte. Aber so konnte ich wenigstens noch zwei Tage länger in „Cali“ bleiben.

Torry Pines

Hafen 1

Hafen 2