CDOs und Subprime-Kredite

26. Oktober, 2008

Ich habe heute mal versucht herauszufinden was bei der Finanzkrise eigentlich passiert ist. Was man immer liest, ist dass es irgendwas mit sogenannten faulen Immobilienkrediten in den USA zu tun haben soll, die die Kreditnehmer nicht mehr bezahlen können. Aber warum um Himmels Willen übernehmen zum Beispiel die deutschen Landesbanken massenhaft Risiken für amerikanische Immobilienkredite, für die es wenig bis gar keine Sicherheiten gibt? Das geht so:

Wir geben Banken Geld und die wollen es anlegen und eine gute Rendite erzielen. Sie können es dann zum Beispiel an Leute verleihen, die Häuser kaufen wollen und bekommen dann Zins und Tilgung. Wenn sie das gut gemacht haben, dann bekommen Sie mehr Zinsen als es das Risiko (einer Zahlungsunfähigkeit des Kreditnehmers) eigentlich rechtfertigen würde. Dann können Sie zu einer anderen Bank sagen: „Hey, ich hab hier einen Kredit über 100 Euro und wenn Du mir 100 Euro gibst, dann Zahle ich Dir solange folgende Zinsen solange der Kreditnehmer bei mir Zinsen und Tilgung zahlt.“ Die Zinsen, die die Bank zahlt sind aber etwas geringer als die Zinsen, die sie vom ursprünglichen Kreditnehmer bekommt und das war dann für alle ein gutes Geschäft.

Natürlich wäre es nervig einzelne Kredite zu handeln und deshalb fasst man die zu großen Paketen zusammen, die man dann Stückweise als Wertpapiere verkauft. Wenn dann ein Kreditnehmer im Paket nicht mehr zahlen kann, dann sinken die Zinsen, die auf das Papier gezahlt werden. Damit sich solche Zinssenkung im Rahmen halten wäre es gut, dass die Kreditnehmer über Sicherheiten verfügen, die man dann veräußern kann um die Verluste gering zu halten.

Wenn man sich aber jetzt ein Stück von so einem Paket kauft, dann kann man ja nicht jeden ursprünglichen Kredit einzeln überprüfen. Daher hängt hier ziemlich viel (wenn nicht alles) vom Vertrauen ab, welches man zur Emittenten (der so leicht faule Kredite loswerden kann) solcher Papiere hat. Der Emittent wird wahrscheinlich auch behaupten, dass die Kreditnehmer über ein ordentliches Einkommen verfügen und gewisse Sicherheiten vorhanden sind. Von der Güte dieser Sicherheiten hängt natürlich auch das Risiko und damit die Zinsen ab.

Banken wollen auch gerne mal ein bisschen höheres Risiko eingehen und ordentlich Geld verdienen. Man hat dann eine (zugegebenermaßen coole) Idee gehabt so ein Kreditpaket (das geht auch mit anderen Sachen) in beliebe Risiko- bzw. Zinsklassen aufzuteilen. Dazu benutzt man sogenannte Collateralized Debt Obligations (CDOs). Mit diesen CDOs teilt man das Paket in verschiedene Teile auf, so dass die ersten Kreditausfälle, z.B. die ersten 8 Prozent, sich nur auf die Zinsen im ersten Teil auswirken. Die nächsten Ausfälle wirken sich dann erstmal nur auf den zweiten Teil aus usw, so dass im letzten Teil dann beispielsweise schon 20 Prozent der Kredite ausfallen müssen, damit die Zinsen sinken. Dementsprechend bekommt man natürlich auf die Papiere, die zum ersten Teil gehören, mehr Zinsen als für die aus dem zweiten Teil usw. Das Tolle an dem Konzept ist, dass man sich auch aus schlecht abgesicherten Krediten, recht sichere Wertpapiere basteln kann. Das ist in diesen Video gut erklärt.

So weit so gut. Jetzt kommen wir langsam zu dem Punkt wo es schief ging. In den letzten Jahren sind die Leitzinsen der Notenbanken sehr niedrig gewesen und die Banken hatten viel Geld zur Verfügung. Zudem wollten Sie immer höhere Gewinne erzielen (wahrscheinlich um die Manager bezahlen zu können ;-)). Eine Möglichkeit für die deutschen Banken wäre es gewesen mehr und risikoreichere Kredite zu vergeben. Dann hätten die Banker aber ihren Kopf gebrauchen und selber die Risiken abschätzen müssen. Das kam also nicht in Frage und daher stieg die Nachfrage nach Wertpapieren mit hohen Zinsen.

Kluge Leute in Amerika haben dann gesagt: „Hey, die Leute wollen Wertpapiere mit hohen Zinsen/Risiken. Dann vergeben wir doch einfach ein paar risikoreiche Kredite und verkaufen das Zeug als CDOs“. Die Sache lief dann so gut, dass man noch riskantere Kredite vergeben hat. Weil die Banken die CDOs immer noch gekauft haben, haben die halt irgendwann gesagt: „Mein Gott, die kaufen ja alles. Vergessen wir die Sicherheiten einfach ganz.“ Das sind dann so genannte Subprime-Kredite, die Leute ohne Kreditwürdigkeit bekommen.

Und dieses Zeug haben unsere Landesbanken gekauft??? Nein, so dumm sind die Banker jetzt auch wieder nicht (aber eventuell etwas subintelligent).

Man hat jetzt also so ein Paket mit Krediten, von denen wahrscheinlich jede Menge ausfallen werden und das man loswerden muss, ein Subprime-Kredit-Paket. Daraus macht man dann erstmal ein CDO. Die oberen (letzten) Schichten kann man ja so machen, dass sie ziemlich sicher sind und gut verkauft werden können. Das Problem sind dann aber die unteren Schichten mit dem sehr hohem Risiko. Was soll man damit machen? Sehen wir uns das doch mal genauer an: Wir haben dann ein Paket mit Krediten, von denen wahrscheinlich jede Menge ausfallen werden. Das Problem kennen wir doch :). Also nimmt man einfach die unteren (schlechten) Schichten eines CDO und macht ein CDO daraus; und wie man das verkauft haben wir gerade gesehen: die oberenen Schichten sind sowieso gut und aus den Unteren macht man ein CDO.

Damit kann man dann beliebig viel Geld verdienen weil es für das „Entwickeln“ von einem CDO ne ordentliche Bezahlung gibt und für den Verkauf und jeden Weiterverkauf wird Provision gezahlt.

Naja, solche CDOs von CDOs (Synthetic CDOs) haben dann unsere Landesbanken gekauft. Deren gute Schichten hatten von den Ratingagenturen ja auch die bestmögliche Wertung AAA bekommen, also sehr sicher. Das Problem ist halt jetzt nur, dass so viele Kredite ausgefallen sind, dass die untersten Schichten in den primären CDOs keine Zinsen mehr bringen. Dann bringt aber das ganze CDO von diesem CDO auch nichts mehr obwohl es teilweise mit AAA gerated war. Das ist hier schön erklärt.

Mein Lieblingsvideo zur Finanzkrise ist übrigens das hier (Danke an Paul):

Sollte der Finanzsektor stärker reguliert werden? Vielleicht. Ich denke aber es würde mehr helfen, wenn man den Markt für Banker regulieren würde. Banken sind wirklich wichtig und wenn man da Mist macht kann man die ganze Wirtschaft ruinieren. Warum darf also jeder eine leitende Position in einer Bank übernehmen? Es kann auch nicht jeder einfach Arzt, Anwalt oder Notar werden. Da muss man erstmal (mit einem Staatsexamen) nachweisen, dass man fachlich und moralisch für diese Arbeit geeignet ist.

Advertisements

PUMA Kick-Off-Meeting

22. Oktober, 2008

Das Graduiertenkolleg PUMA, das mich in Moment bezahlt, hat vor ein paar Wochen ein Kick-Off Meeting veranstaltet bei dem sich alle Beteiligten Kennenlernen konnten.

PUME Teilnehmer

Stattgefunden hat das Treffen im Haus Bergsee am Spitzingsee.

Spitzingsee

Trotz der vielen Vorträge und Diskussionen blieb auch noch Zeit für ein paar kurze Wanderungen (zum Beispiel auf den Brecherspitz).

Brecherspitz


Wiesn 2008

10. Oktober, 2008

Leider war ich dieses Jahr fast während des ganzen Oktoberfests nicht da. Trotzdem hab ich es aber noch auf die Wiesn geschafft und am letzten Sonntag war auch richtig schönes Wetter:

Wiesn mit den Jungs

Bier auf der Wiesn

Wenn man ein iPhone hat, dann konnte man natürlich auch live von der Wiesn bloggen:

Wiesnmadel


Business-Club

9. Oktober, 2008

Am Samstag war ich mit meinem Kollegen Robert im Buisness-Club der Alianzarena. Vor und nach dem Spiel gab es ein kalt-warmes Buffet und in der Halbzeit haben die bestellten Getränke schon an unserem Tisch gewartet ;). Da könnte man sich schon dran gewöhnen…

Fotos gibts in in Roberts Blog.


Herbstschule in Prag

8. Oktober, 2008

Vor zwei Wochen war ich auf der Fall School of Logic and Complexity in Prag.

Prag

Das Hauptereignis der Schule waren für mich die Vorträge von Turing-Award-Gewinner Steve Cook, den ich in Prag kennengelernt habe. Auf dem Bild unten erhält Steve Cook die Bernard Bolzano Medaille der Tschechischen Akademie der Wissenschaften.

Steve Cook

Prag ist aber auch ohne Logik und Informatik eine tolle Stadt. Die Leute sind nett, die Häuser sind schön, Bier und Essen sind gut und günstig (zum Beispiel in der Molotow Coctail Bar).

Molotow Coctial Bar

Hier bin ich mit Klaus Aehlig auf dem Wenzelsplatz.

Wenzelsplatz

(Danke an Markus für die Fotos!)


T-Mobile benutzt Erotikunternehmer als kostenlose Datenbank

7. Oktober, 2008

Angeblich hat der sympathische Erotikunternehmer Tobias Huch die 17 Millionen gestohlenen T-Mobile Kundendaten seit zwei Jahren auf seinem Rechner.

Es habe ihn sehr verwundert, dass Telekom-Chef Obermann gesagt habe, die Daten seien nicht mehr im Umlauf, sagte Huch gegenüber der Frankfurter Rundschau. „Das ist Quatsch. Sie liegen bei mir. Aber ich will sie nicht haben. Für mich sind sie ein Risiko.“

Nachdem er sich die Daten heruntergeladen hatte, hat er T-Mobile kontaktiert und die fanden es wohl ganz praktisch, dass sie das Zeug nicht selber speichern müssen. Zumindest haben sie sich bis heute nicht weiter darum gekümmert. Das nennt man dann wohl Outsourcing.

Ja. Das hat etwa 2 bis 3 Gigabyte Speicherplatz blockiert. Außerdem musste ich die Sicherheitsvorkehrungen meines Computers heraufschrauben, damit nicht Unbefugte an die Daten herankommen.

Huch ist also mit den Daten zumindest verantwortungsvoller umgegangen als T-Mobile.

Nett ist auch die Episode, in der Huch Justizministerin Zypris im Flugzeug getroffen haben will.

Wir saßen zufällig im gleichen Flugzeug, ich erkannte sie und sprach sie dann beim Aussteigen an. […] Ich sagte, dass ich Ihr auch eine SMS schicken könne, schließlich hatte ich ihre Mobilnummer auch im Computer. Das fand sie, glaube ich, ganz witzig.