Ara Abrahamian und die Berichterstattung von den Olympischen Spielen

Der Ringer Ara Abrahamian aus Schweden hat bei den Olympischen Spielen in Peking während der Siegerehrung seine Bronzemedaille in den Ring gelegt und die Zeremonie verlassen (Spiegel Online, ARD).

In der DPA-Meldung die pflichtgemäß vom Olympiateam der ARD in Peking empfangen und verlesen wurde und auch auf Spiegel Online gebracht wurde, ist von einer umstritten Entscheidung der Kampfrichter im Halbfinale als Grund für den sogenannten Eklat die Rede. Hmmm, was war das denn für eine Entscheidung? Weder den Kampf noch weitere Informationen sind im Onlineangebot unserer öffentlichen Sender zu finden. Stattdessen ist die einhellige Meinung, Abrahamian wäre ein schlechter Verlierer, sei unsportlich und hätte die olympische Idee nicht verstanden.

Ich hatte bei der Sache irgendwie ein komisches Gefühl und hab mich mal bei einem lokalen Ringerverein über den Vorfall informiert. Dort hat man mir einen Link zu einem Video geschickt, das den Kampf zeigt, aber mittlerweile leider gelöscht wurde. Was da zu sehen ist, ist wirklich sehr merkwürdig: Abrahamian hatte die erste Runde verloren und die zweite Runde gewonnen. Daraufhin wurden die Ringer vom Ringrichter in ihre Ecken geschickt. Abrahamians Gegner Andrea Minguzzi, der später auch Gold gewann, blieb aber im Gegensatz zu Abrahamian einfach in der Ringmitte stehen und starrte die Kampfrichter außerhalb des Rings an. Dann wurden Zeitlupen von Szenen aus der zweiten Runde gezeigt. Plötzlich wurden die Zeitlupen abgebrochen und Minguzzi zum Sieger erklärt. Warum das so war, konnte man bei meinem Ringerverein nicht wirklich nachvollziehen. Man hat aber spekuliert, dass es zu mehreren seltsamen Fehlentscheidung gekommen ist. Die offizielle Version hat aber mit den Vermutungen der Experten wenig zu tun und ist noch abstruser. Sie wurde inzwischen auch offiziell vom CAS für falsch erklärt. Besonders komisch ist auch, dass nach dem Protest der Schweden nicht wie gefordert ein Videobeweis herangezogen wurde, der in den Regeln vorgesehen ist.

Ich möchte hier keine falschen Anschuldigungen erheben aber ich muss schon sagen, dass ich bisher wenig gesehen habe, das mehr nach Bestechung aussah. Ich kann also wirklich verstehen, dass Ara Abrahamian ziemlich enttäuscht war und die Presse irgendwie auf diesen Vorfall aufmerksam machen wollte. Ein Mitarbeiter unserer öffentlichen Sender hätte wenigstens mal bei den Offiziellen nachfragen können, was sie sich dabei gedacht haben. Die Geschichte nicht weiter zu verfolgen ist eine Sache. Das sehr auffällige Verhalten der Kampfrichter einfach zu verschweigen und Abrahamian als schlechten Verlierer hinzustellen finde ich aber schon ziemlich gemein und traurig.

Das Beispiel zeigt, dass die Berichterstattung des chinesischen Staatsfernsehens wahrscheinlich kritischer und objektiver ist als die der deutschen Medien und insbesondere von ARD und ZDF. Das fände ich nicht weiter schlimm wenn ich nicht aus irgendwelchen Gründen gezwungen würde für ARD und ZDF zu zahlen. Warum brauchen die beiden Sender insgesamt 500 Mitarbeiter? (Es gibt übrigens nur 436 deutsche Sportler.) France Télévision kommt mit 160 Mitarbeitern aus. Warum müssen ARD und ZDF immer abwechselnd mit eigenen Reportern berichten? Es wäre doch viel besser ein gemeinsames Team zusammenzustellen und eine gemeinsame Olympia-Übertragung abwechselnd auf ARD und ZDF zu senden. Warum interessiert niemanden, was das alles kostet? Warum wird den Offiziellen keine kritische Frage gestellt und immer nur IOC-konform berichtet? Ich möchte diesen Quatsch einfach nicht mehr bezahlen.

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